Abschrift: Gerhard Wöhner, Rostock, Februar 2005
Stralsund und Greifswald sind die pommerschen Städte, [für] die am frühesten Handelsbeziehungen zu Schottland nachweisbar sind. Schon im Anfang des 14. Jahrhunderts werden beide Städte als wichtige Handelsplätze und Einfuhrhäfen für schottische Waren benannt. [H. Riemann: Die Schotten in Pommern im 16.und 17.Jahrhundert und ihr Kampf mit den Zünften. Zeitschrift f. preuß. Gesch. und Landeskunde.Bd. III, S.517 ff.]. Vereinzelt mögen schottische Kaufleute sich schon damals und im 15. Jahrhundert in diesen Städten für kürzere und längere Zeit niedergelassen und Handel getrieben haben. Doch fehlt darüber sichere Kunde. Größere Mengen dieser Fremdlinge kamen jedenfalls erst im 16. Jahrhundert, nach und infolge der Reformation, ins Land und zwar jetzt nicht nur vorübergehend, sondern zu dauerndem Aufenthalt. Sie waren aus ihrem Vaterland geflohen, um den dauernden politischen und religiösen Wirren zu entgehen, die namentlich unter der Regierung Jakob V. und seiner Tochter Maria Stuart Schottland heimsuchten. Als Protestanten suchten sie Schutz und Zuflucht in religionsverwandten Ländern, besonders in Schweden, Preußen und Pommern. Daß sie in letzterem sich Städten zuwandten, mit denen ihr Heimatland durch langdauernde Handelsbeziehungen verbunden war, scheint weiter nicht verwunderlich. Tatsächlich lassen sich auch gerade in Stralsund und Greifswald während dieser Zeit weitaus die meisten Schotten nachweisen. Daß diese Gemeinden ihrer Niederlassung dort sowie der Erwerbung des Bürgerrechts, wenigstens zunächst, im Gegensatz zu anderen Städten keinen Widerstand entgegensetzten, mag als weiterer Anziehungspunkt für die Schotten dazugekommen sein. Freilich zahlen mußten sie auch hier für das Bürgerrecht erheblich, oft bis zu dem Zehnfachen des für Einheimische üblichen Satzes. In den Greifswalder Bürgerlisten findet sich der Zusatz "scotus" zum ersten Mal bei einem Namen im Jahr 1567. Es ist das ein Mann Namens Wilhelm Vorseide, der in Wirklichkeit Forsyth hieß. Schon aus dieser Eintragung kann man ersehen, in welcher Weise die schottischen Namen verändert und oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden. Sie wurden eben rein nach dem Gehör niedergeschrieben und später durch den Volksmund in eine Form gebracht, die entweder einem schon vorkommenden Namen ähnelte oder einem Begriff entsprach, unter dem der gemeine Mann sich etwas vorstellen konnte. So wird aus Ankroft = Anker, aus Bruce = Brusse oder Prüsse, aus Duncan = Duncker, aus Fife = Pfeiffe, aus Erskine = Erske oder Esche, aus Jack = Schack, aus Lindsay = Linse usw [Th. A. Fischer, The Scots in Germany. Edinburgh 1902]. Auch willkürliche Namensänderungen von Seiten der Eingewanderten selbst wurden manchmal vorgenommen. So nannte sich Alexander Hepburn, ein Bruder des James Hepburn Graf von Bothwell, des Gemahls der Maria Stuart, in Stargard, wo er sich 1582 niederließ, Hebron. Die Mitglieder einer schottischen Familie Herkeß verwandelten ihren Namen in Herkleß und zuletzt in Herkules. Man sieht also, ganz ungeheuerliche, grotesk anmutende Umwandlungen der Namen kamen vor, so daß es oft sehr schwer, wenn nicht unmöglich ist, aus dem Namen allein auf die schottische Abstammung zu schließen. Dazu kommt, daß eine Reihe von Namen bei beiden Völkern gleich oder sehr ähnlich lautet, z.B. Müller - Miller, Schmidt - Smith u.a.
Aber auch schon vor 1567 finden sich in der Bürgerliste Namen ohne den Zusatz "Schotte" oder "scotus", deren Träger unzweifelhaft Schotten gewesen sind oder deren schottische Herkunft aus anderen Quellen bezeugt ist. Wieder andere, sogar solche die in Greifswald eine gewisse Rolle spielten, sind garnicht Bürger geworden.
Als sichere Schotten lassen sich aus den Bürgerlisten und aus anderen Quellen folgende feststellen:
Die vorgenannten Jahreszahlen bedeuten das erste Auftreten der Genannten, die in Klammern beigefügten Namen die richtigen schottischen Namen
1577 Richard Alm (Allan)Das sind bis zum Jahre 1600
ungefähr 40 Schotten, die dauernd in Greifswald mit ihren Familien
lebten. Sie waren damals fast ausschließlich Krämer oder auch Kaufleute
und handelten mit den verschiedensten Dingen, mit kostbaren Stoffen wie
Seide, Sammet, guten Tuchen, mit Gewürzen, schottischem Salz, mit
Metallen, Fellen, Federn usw. meist im Kleinhandel, einige aber auch im
Großhandel. Oft beginnen sie ihre Laufbahn als Hausierer, die mit einem
Wägelchen von Dorf zu Dorf ziehen. Durch ihre Abstammung, ihre fremde
Sprache und durch ihre Religion (Calvinisten) waren sie auf einander
angewiesen und hielten an sich schon zusammen. Um diesen Zusammenschluß
noch fester zu gestalten, gründeten die Schotten in Greifswald im Jahre
1590 eine schottische Kompagnie [H.
Riemann: Die Schotten in Pommern im 16.und 17.Jahrhundert und ihr Kampf
mit den Zünften. Zeitschrift f. preuß. Gesch. und Landeskunde. Bd. III,
S. 517 ff] oder Societät. Die Gründer dieser waren: David Gipson, Hans Levensthon, Ramsay, Hans Witton und Thomas Murray. Der
Zweck sollte ein doppelter sein: "Unterhaltung eines guten Vertrauens
unter denen von schottischen Geblüt und Abkunft", sowie Sammlung eines
Kapitals, von dessen Zinsen "Kirchen, Armenhäusern, und anderen piis locis milde Gaben gegeben werden sollen". Welches war aber nun der eigentliche
Zweck dieser Gründung? Die Schotten sagten zwar in ihrer
Gründungsurkunde: "Gott zu Ehren, dessen Kirche und armen notleidenden
Leuten zum Besten". Ich bezweifle nicht, daß sie dieses Vorhaben auch
ausgeführt haben, denn die Äußerungen ihrer Wohltätigkeit sind durch
mehrere Schenkungen an Kirchen usw. bezeugt. Aber darum allein hätte es
nicht der großartigen Gründung einer Gesellschaft bedurft. Der
eigentliche Grund lag auf wirtschaftlichem Gebiet. Kampf mit den
einheimischen Kaufleuten und Behörden stand ihnen bevor, das wußten sie
aus langen, bitteren Erfahrungen ihrer Landsleute in anderen Städten
und Ländern. Es galt, rechtzeitig alle Kräfte zusammenzufassen, um mit
größerer Macht und mehr Aussicht auf Erfolg Widerstand leisten zu
können und dadurch die soziale und wirtschaftliche Stellung der
Schotten in Greifswald sowie in ganz Pommern zu sichern. Das erhaltene
urkundliche Material ist äußerst gering. Wir besitzen keine Rolle,
keine Mitgliederlisten etc. Aber ich halte es nach Analogie der
Verhältnisse in Preußen, wo die "societas gentis scoticae" zu Danzig in drei "fraternitates" geteilt war, die ihre Sitze weit von einander entfernt hatten, [Th. A. Fischer: The Scots in Germany, Edinburgh 1902] für
sehr wahrscheinlich, daß auch die schottische Kompagnie zu Greifswald
nicht nur die dortigen Schotten zu ihren Mitgliedern zählte, sondern
auch die der benachbarten Städte, ja vielleicht sogar die von ganz
Vorpommern. Denn auch dort saßen überall Schotten, allerdings in
geringerer Zahl (abgesehen von Stralsund). Und diese waren mit den
Greifswaldern durch geschäftliche und familiäre Beziehungen verbunden,
so die in Stralsund, Wolgast, Demmin und Anklam. [Bethe: Schotten in Anklam, Anklamer Heimat-Kalender 1931, S.42 ff] Da
viele von den Schotten wohlhabend waren, so ergab dieser Zusammenschluß
in einer Kompagnie eine Macht, die nicht nur durch die Zahl, sondern
auch durch die Geldmittel, die ihr zur Verfügung standen, ein nicht zu
verachtender Gegner war.
Sehr bald schon nach ihrer
Gründung hatte die schottische Kompagnie Gelegenheit, ihre Kraft zu
zeigen. Das Bürgerrecht hatte man den eingewanderten Schotten nicht
verweigert wie in vielen Städten Pommerns. Jetzt sperrte man ihnen den
Eintritt in die Kramerkompagnie und erst recht natürlich in die
Kaufmannsgilde. "Schotten und Schottenkinder sollen der Kramerkompagnie
nicht würdig sein! so steht in unserer Rolle" sagten die Greifswalder
und nahmen die Schotten nicht auf, selbst die nicht bereits Bürger
gewordenen. Sie beharrten bei ihrem Standpunkt, auch behördlichen
Schlichtungsversuchen gegenüber. Bei der großen Bedeutung, welche die
Zugehörigkeit zu dieser Kompagnie im Hinblick auf die kaufmännischen
Geschäfte und die soziale Stellung der Schotten hatte, entschloß sich
die schottische Gesellschaft, die Sache durchzukämpfen und zur
Entscheidung zu bringen. Offenbar in ihrem Auftrage und mit ihren
Geldmitteln strengte der schottische Krämer Zander Barklay in
seinem Namen einen Prozeß an, führte ihn durch alle Instanzen durch und
brachte ihn sogar bis vor das Reichskammergericht in Wetzlar. Zunächst
1591 vor dem Niedergericht in Greifswald beginnend, zog sich dieser
Prozeß ein Jahrzehnt hin, gelangte 1601 vor das Reichskammergericht und
war Ende 1602 noch nicht beendet. Ein stattlicher Folioband [Akten des Reichskammergerichts zu Wetzlar. G. No. 79/3282. St.-A. Stettin] enthält
zahllose Zeugenverhöre, Briefwechsel mit anderen Städten, Schriftsätze
von Advokaten, Dupliken und Repliken usw. - aber leider keine
richterliche Entscheidung. Mit Leidenschaft werfen die Schotten immer
wieder die Frage auf, "ob denn die Schotten Nation und Geburt halber
unehrlicher Leute, Schelmen und Buben seien, welche in ehrlicher
Gesellschaft nicht zu dulden seien ? Ob nicht die schottische Nation
ebenso ehrlich sei wie die deutsche?" Der Richterspruch der letzten
Instanz fehlt wie gesagt. Vermutlich werden die Schotten doch Recht
bekommen haben. Denn da sie als Bürger aufgenommen und vereidigt waren,
so konnte man ihnen auf die Dauer die Aufnahme in die Zünfte,
Kompagnien und Gilden nicht verweigern, selbst nicht mit der
Motivierung, daß die Mitgliedschaft nur "Angehörigen deutscher Nation"
zu Teil werden dürfe. Denn bei manchen Gelegenheiten betrachtete man
diese eingebürgerten Fremdlinge doch als Deutsche, besonders wenn es
sich um das Bezahlen handelte. So wurde z.B. von allen in Greifswald
wohnenden Schotten die "Türkensteuer" 1593 und 1596 erhoben. [Ratsarchiv Greifswald. Memorab. Buch 59 und 60] Tatsächlich
ist es in aber in Pommern auch später noch oft vorgekommen, daß erst
den in Deutschland geborenen Söhnen, die man also dann als "Angehörige
deutscher Nation" betrachtete, das gewährt wurde, was man den Vätern
verweigert hatte.
Die schottische Kompagnie
war zunftartig organisiert und wurde von Alterleuten geleitet. Ihre
Satzungen sind nicht erhalten. Vermutlich sind sie den noch vorhandenen
der "societas gentis scoticae"
in Preußen, die 1616 in Danzig aufgestellt wurden, ähnlich gewesen. In
diesen, die 14 Titel mit 80 Nummern enthalten (in lateinischer
Sprache), wird das Verhalten der einzelnen Mitglieder zu einander und
zu der einheimischen Bevölkerung genau vorgeschrieben. Auf Ehrlichkeit
in Handel und Wandel und auf ein gesittetes, ehrbares Verhalten wird
großer Wert gelegt und die Übertretung gerade dieser Vorschriften unter
hohe Strafe gestellt. Die Leiter wurden "seniores" genannt, also Altmänner. [Th. A. Fischer: The Scots in Western- and Eastern-Prussia. Edinburgh].
Die ersten Alterleute in Greifswald waren die Gründer David Gipson und Hans Levesthon [Msc. K. K. K. VI. 86. Greifswalder Urkunden. St.-Arch. Stettin].
Über die späteren ist wenig bekannt. Aber eine Urkunde vom Montag nach
Estomihi 1615 (dies war der Tag der jährlichen Hauptversammlung nach
den Satzungen) wird von Hans Leuesten und Wolter Eslyn unterzeichnet. Diese waren also damals die Altermänner.
Mit dieser Urkunde verpflichtet sich die schottische Kompagnie, "daß
die Stadtschule allhie zu Greifswald zur aufhaltung ihrer Bawet jerlich
mit 6 mark sundisch verehrt und begawet werden solle". Also wieder ein
Akt der Wohltätigkeit! Die letzten Altermänner waren Prof. Johann Pommeresch und Thomas Murray im Jahr 1676. Ersterer war ein Halbschotte, als Sohn des Advokaten Heinrich P. und der Emerentia Levesthon
in Wolgast geboren. Solcher Halbschotten, die Mitglieder der
Gesellschaft waren, gab es noch mehrere. Einer der einflußreichsten war
Prof. Dr. med. Johann Schöner. Er war in Edinburgh am 11. 7. 1597 geboren als Sohn des Leibarztes der Königin von England und Schottland Dr. med. Martin Sch. (aus Thüringen stammend) und der Lukretia Bethon. Er kam 1619 nach Greifswald, promovierte dort und heiratete 1622 Katharina Erskin, Tochter des dortigen schottischen Kaufmanns Walter Erskin. Schöner
starb zu Stralsund 19.4.1657. Ohne Zweifel gehörten sämtliche in
Greifswald wohnende Schotten der Kompagnie an, und ebenso sicher ist
es, daß auch die Neuankömmlinge ihr beitraten. Lag es doch in ihrem
eigensten Interesse, unter den Schutz dieser so mächtigen und
einflußreichen Gesellschaft zu kommen. Denn daß die Mitglieder der
Kompagnie sich gegenseitig unterstützten, die neu ankommenden
Landleute, wenn sie arm waren, mit Geld versahen und ihnen in der
fremden Umgebung die Wege ebneten, scheint unzweifelhaft. Auch den
Behörden gegenüber, die den Schotten scharf auf die Finger sahen und
jede Übertretung der gesetzlichen Bestimmungen mit schweren Strafen
ahndeten, nahm die Kompagnie ihre Mitglieder und auch die nur
vorübergehend in Greifswald anwesenden Schotten in Schutz. Wie
tatkräftig das geschah, zeigt folgender Vorgang: 1624 werden sechs,
allem Anschein nach nicht dort wohnende Schotten, Klaus Petersen, Klaus Adriansen, Siverdt Siuertsen, Harten und Klaus Sifert und Heinrich Laurentz
in Greifswald "in bestrickung genommen". Sie hatten dort Federn
aufgekauft, angeblich um diese Ware "in frembde örter" zu exportieren,
"welches den fürstlichen Edikten zuwider läufft". Aber schon sehr bald
setzt sich ein gewisser Herr Abraham van Tongerlo sehr lebhaft
für die Gefangenen ein, indem er nachweist, daß diese ganz unschuldig
seien und daher sogleich aus dem Gefängnis entlassen werden müßten. [Wolgaster Archiv, Tit. 71 No .14. St.-Arch.Stettin]. Ob
das wirklich geschehen ist, darüber besagt die Akte nichts. Aber schon
der Umstand, daß ein anscheinend hochmögender Herr so bald und so
energisch für diese sicher armen und ortsfremden Leute Partei ergreift,
läßt darauf schließen, daß er in höherem Auftrage, nämlich in dem der
schottischen Kompagnie gehandelt hat. So nahm die Kompagnie zu an
Mitgliedern und Wohlhabenheit. 1623 erreichte sie ihre höchste Blüte.
Sie war damals in der Lage, ein eigenes Haus in der Fischstraße zu
erwerben. Am 20.11.1623 kauft Wolter Eschen (Erskin) das "Wohnhaus der Wittwe Hans Langen, bei Hans Zintzowen
gelegen mit dem Braugerät und vier Morgen Ackers und einem Garten". Der
Käufer "hat bei dem Bürgermeister auf dem Rathaus deponiert in einer
versigelten Buddel bahr 600 Gulden in Reichsthalern, jeden zu 2 fl.
gerechnet und 10 Gulden und 15 Schilling Lubsch an Renten und etlichem
wenigen kleinen Gelde. Ist gezählt und richtig befunden" [Ratsarchiv Greifswald, Memorab. Buch 17. Stadtbuch. Teil IV.]. Es
blieb aber noch eine Schuld von 700 Gulden. Die Hoffnung der Schotten,
diese Schuld bald abtragen zu können, wurde durch die Kriegswirren
vereitelt. Die Besetzung der Stadt mit kaiserlichen Truppen ruinierte
diese, Handel und Wandel stockten, die Einkünfte der einzelnen Bürger
und auch die der schottischen Kompagnie erlitten erhebliche Einbuße.
Auch der Zuzug aus Schottland hörte ganz auf. Das war der Anfang vom
Ende. Anschaulich wird in der letzten Urkunde bei der Auflösung der
Kompagnie die weitere Entwicklung geschildert [Msc. K. K. K. VI 86 Greifswalder Urkunden, St.-Arch. Stettin].
Es wurde "das Haus mit einquartierung beleget und sehr ruiniert, auch
die Häuser von beiden seiten gäntzlich hinuntergerissen, dadurch
solches sehr geschwächet, und haben also nicht allein die darauf
Haftenden unbezahlten Capitalia nicht abgelegt werden können und die
Zinsen aufgeschwollen, sondern auch die übrig gebliebenen Membra zur
reparation des ruinierten Hauses Mittel auffbringen müssen. Und ob zwar
nach dem von Gott erlangten deutschen Frieden jetzt gedachte übrige
wenige membra dieser Societät und unter diesen insonderheit Herr Dr.
Johannes Schönerus Medicinae Professor auf hiesiger Universität
und berühmter Practicus, in Anno 1650 sich höchst angelegen seyn
lassen, dieses durch die Kriegeszeiten und tötlichen Hintritt der
vorigen Glieder in Abnehmen geratenes Collegium wieder aufzurichten,
dahero wir obgenannte beyderseits auff dessen ansuchen membra desselben
geworden, auch der weyland Wohlgeborene Hr. Hr. Alexander Freyherr von Erskin, Ihro
Königliche Majestät zu Schweden Hochverordneter Kriegs- und
Hoffgerichts-Präsident, als ein allschon in Anno 1617 gewordenes
Mitglied dieser Societät, zur Abzahlung der darauff haftenden Schulden
100 Rtlr.mildiglich in Anno 1652 dazu verehret, Ich, Dr. Joh. Pommeresch
auch im vorigen Jahr das Haus in jährige Miete genommen und darauf in
Anno 1656 die Wittingschen Erben, welche ein Capital von 400 Gulden
samt fast ad alterum aufgeschwollenen Zinsen darauß zu fordern gehabt,
durch einen Vorschuß contentieret, übrige Creditores auch bezahlet, es
also von Schulden, außer daß 100 Gulden auß einem Legato von Sehl.
David Brüssen darauf frey gemachet, Ich, Thomas Murray,
auch zur Reparation der Mauer ein Ansehnliches angeleihet, und wir
beyderseits die Hoffnung gehabt, es würde nunmehro auß der jährlichen
Miete des Hauses solche noch übrige Schuld abgetragen werden und also
denen piis locis ein gewisses zufließen können, bevorab da E.E.
Hochweiser Rath solches durch ein Decretum vom 11.April 1634 von der
Einquartierung und bürgerlichen aufflagen eximierte, so ist doch
solcher Zweck nicht zu erhalten gewesen."
Kurz und gut, die Kompagnie
sah sich 1676 gezwungen, ihr Haus in der Fischstraße, mit dem
Ackergrundstück und allem Zubehör zu verkaufen. Der Käufer war Peter Schimmelpfennig, der
das Haus für 600 Gulden erstand. Diese Summe wurde der Marienkirche,
die der Hilfe und Unterstützung am meisten bedürftig erschien, mit
gewissen Verpflichtungen überwiesen. Gleichzeitig löste sich die
Schottische Kompagnie auf. Ihr Bestehen war zwecklos geworden. Der
Zuzug der Schotten nach Greifswald, wie überhaupt nach Pommern hatte
schon längst völlig aufgehört, die wenigen noch in der Stadt
befindlichen schottischen Familien waren allmählich in der
einheimischen Bevölkerung aufgegangen und hatten ihre schottische
Abstammung zwar nicht vergessen, legten aber keinen besonderen Wert
mehr auf dieselbe. Sie, die sich noch 1615 mit einem gewissen Stolz als
Mitglieder "ehrlicher (= ehrliebender) schottischer Nation" bezeichnet
hatten, einer gewissen Vornehmheit nicht ermangelten und ihre Frauen
fast stets unter ihren Landleuten gewählt hatten, hatten später, schon
aus wohlverstandenem eigenen Interesse, diesen Standpunkt aufgegeben
und Töchter Greifswalder Bürger, mit Vorliebe aus den wohlhabenden und
ratsfähigen Familien, geheiratet. Durch diese weise Politik kam ein
Teil dieser Fremdlinge in den Rat oder in andere einflußreiche
Stellungen. Die Halbschotten Dr. Pommeresch und Dr. Schöner wurden schon genannt. Andere waren Angehörige der Familien Erskine, besonders in der Person des seiner Zeit berühmten schwedischen Staatsrats Alex. Erskine (1593-1656), der Familien Murray, Witton und Herkules, die
noch bis über die Mitte des 18.Jahrhunderts hinaus zu den
Ratsmitgliedern von Greifswald und Stralsund gehörten. Beigetragen hat
zu diesem vielfach zu beobachtenden sozialen Aufstieg der Schotten in
ganz Pommern vielleicht der Umstand, daß diese schottischen Einwanderer
zum Teil Sprößlinge reicher, alteingesessener Adelsfamilien waren. Aus
so mancher ihren Leichenpredigten beigefügten Ahnentafel läßt sich das
nachweisen. Die Gründe für die Auswanderung der Abkömmlinge
schottischer Adelsgeschlechter lagen nicht nur auf politischem und
religiösem, sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet. Denn in dem an
sich armen und in den schmalen fruchtbaren Küstengebieten übervölkerten
Schottland wurde in den begüterten Adelsfamilien das Erstgeburtsrecht
mit äußerster Strenge durchgeführt. Nur der älteste Sohn erbte den
gesamten Besitz, die übrigen Söhne gingen leer aus und waren gezwungen,
Offiziere in fremden Heeren oder Kaufleute in fremden Ländern zu
werden. Hier mußten allerdings letztere die ihnen gewohnten Ansprüche
stark herabsetzen, aber durch die Tüchtigkeit, Nüchternheit,
Sparsamkeit und ihren ausgesprochenen Geschäftssinn gelang es ihnen
verhältnismäßig oft, in ziemlich kurzer Zeit zu wohlhabenden Bürgern zu
werden. Daß sie ihre erworbenen Gelder nicht schlecht verwendeten,
vielmehr Gemeinsinn bekundeten und Wohltätigkeit in einem für damalige
Zeiten auffallenden Maße übten, dafür ist gerade ihr Zusammenschluß in
der schottischen Kompagnie, die besonders den Armen und Bedürftigen der
Stadt helfen wollte und auch geholfen hat, ein voller Beweis. Die
schottische Kompagnie ist, wie ein Autor des 19. Jahrhunderts besonders
hervorhebt, ein Segen für die Stadt Greifswald geworden.
Die einst in Greifswald
blühenden zahlreichen schottischen Geschlechter haben, mit den
genannten vier Ausnahmen, den 30jährigen Krieg nicht überdauert. Die
meisten von ihnen sind überhaupt wohl ausgestorben, sicher unter ihrem
eigentlichen Namen. Aber ich bin überzeugt, daß ein nicht geringer Teil
der heute noch unter uns lebenden Familien mit den Namen Anker, Dunker, Eschen, und Eske, Linse, Möring, Persohn, Rubbert, Witte, Zander, um
nur einige zu nennen, ursprünglich aus Schottland stammt und auch
schottisches Blut in seinen Adern rinnen hat, ohne freilich eine Ahnung
davon zu haben. Das im Einzelfall nachzuweisen, wäre eine interessante
und auch lohnende Arbeit.
Bereitgestellt von: Studienstelle Ostdeutsche Genealogie (insbes. Pommern und Pommerellen) E-mail: arrendator@studienstelleog.de web-site:http://www.studienstelleog.de
der vorm. Forschungsstelle Ostmitteleuropa an der Universität Dortmund
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